Der Besuch der Schule 2017 – Eindrücke aus Bangladesch

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Liebe Freundinnen und Freunde,
sehr geehrte Unterstützerinnen und Unterstützer
des Vereins „Kinder in Bangladesch e.V.“,

auch in diesem Jahr haben Ali Suruz Syed und ich unser Projekt vor Ort in Kurshi/Bangladesch besucht, uns um Formalitäten (und Festivitäten) gekümmert sowie Kontakte geknüpft u.v.m. um unserem gemeinsamen Ziel ein Stück näher zu kommen: Bildung auch für die Ärmsten, insbesondere Mädchen, und das Verhindern von Kinderheirat (!Mädchenheirat) im Alter von z.B. 12-13 Jahren.

In Dhaka haben wir verschiedene Einladungen wahrgenommen und hatten informelle Treffen mit Gruppen und Institutionen, die ähnliche Projekte leiten, z.B. mit Vertretern des Vereins „Netz e.V.“. Mit welchen Problemen haben sie zu kämpfen, was können wir besser machen, worauf ist zu achten, können wir kooperieren?

Wir haben den deutschen Botschafter in Bangladesch, Dr. Prinz getroffen, der eigentlich geplant hatte, die Feierlichkeiten an unserer Schule in Kurshi zu besuchen, doch aufgrund aktueller politischer Gegebenheiten leider kurzfristig absagen musste. Wir hoffen nun auf seinen Besuch an unserer Schule im Sommer 2017.

Wir haben Parlamentarier getroffen, die unter anderem für unsere Provinz im Nordosten des Landes zuständig sind. Dies hat den Vorteil, dass z.B. von der Regierungsseite in die Infrastruktur rund um die Schule investiert wird, die Planung für eine Stromanbindung sich endlich konkretisiert (was eigentlich seit letztem Jahr versprochen war) und das Niveau des Landes vor der Schule angehoben wird, damit in der Regenzeit dieser Bereich auch als Sportplatz genutzt werden kann.

Die Geschäftsführer der beiden größten Fernsehsender in Bangladesch (ATN und Rtv) haben uns eingeladen, es gab Berichte (Print und TV) über das Projekt und das Engagement aus Deutschland. Wir konnten in einer renommierten Politsendung (die vergleichbar wie „Anne Will“ in Deutschland ist) 20 Minuten lang über Bildung, Armut, Klimaproblematik und insbesondere die Verhinderung der frühen Heirat von Mädchen im jungen Alter diskutieren. Mit dieser Sendung erreichen wir viele Millionen Menschen in Bangladesch.

Auch haben wir den türkischen Botschafter, Herrn Devrim Öztürk, in Dhaka getroffen. Die Türkei verfügt über ein Koordinationsbüro für soziale Zwecke in Dhaka. Nach einem Antrag im letzten Jahr, dem Besuch des Büroleiters an unserer Schule in Kurshi im März 2017 und den Zuspruch des türkischen Botschafters haben wir jetzt die Zusage für umfassende sanitäre Anlagen, Wasserpumpe, Wassertanks und einen Generator für unserer Schule und für die geplante Berufsschule nebenan. Der Koordinator brachte den Vorschlag ein, auch den Bau einer Kantine zu finanzieren. Diese Baumaßnahmen werden unabhängig von unserem Verein – nach unseren Bauplänen und Wünschen – vor Ort von dem türkischen Koordinationsbüro geplant und finanziell komplett getragen.

An der Saleha Katun Kurshi High School haben sich die Kinder sehr gefreut uns wieder zu sehen. Die SchülerInnen haben sehr gute Ergebnisse bei den letzten landesweiten Jahrgangsabschlussexamina erreicht. 98% haben bestanden, viele mit sehr guten Noten. Bei den ca. 35 High Schools der gesamten Region (eine vergleichsweise große Region) sind wir unter den besten. Toll! Die leistungsstärksten Schülerinnen und Schüler haben kleine Geschenke von uns erhalten.

Den Tag der Sprache (ein wichtiger Feiertag in Bangladesch) haben wir als Anlass für die Grundsteinlegung für die geplante Berufsschule genutzt. Die jungen Menschen sollen die Möglichkeit haben, nach der Schulausbildung einen Beruf zu erlernen und in ihrer Region zu bleiben um diese zu stärken. Somit wollen wir verhindern, dass die Menschen in Dhaka in den Slums landen oder sich auf den weiten Weg, z.B. nach Europa, aufmachen, der risikoreich ist und häufig nicht zu dem Ziel führt, das sie sich vorgestellt haben. Aus diesem Grund hat Ali Suruz Syed auf seine Kosten rechtzeitig das Land um die Schule herum erworben, so dass weiter gebaut und erweitert werden kann, wie in diesem Fall für die Kantine oder die Berufsschule.

Wir konnten durch die Veranstaltung erreichen, dass sich die Lokalpolitiker und Parlamentsabgeordneten, die auch vor Ort waren, dafür einsetzen, dass in den nächsten Monaten die Gehälter unserer Lehrer komplett vom Staat übernommen werden. Seit dem letzten Besuch 2016 haben wir erreicht, dass die Rentenversicherungen für die Lehrer von der Regierung übernommen werden und hoffen, dass bald die kompletten laufenden Kosten für die Schule in die Staatsaufgabe übergeht.

In Bangladesch ist noch einiges zu tun, insbesondere brauchen wir einen Partner und eine eigene NGO in Bangladesch, an deren Gründung wir seit dem letzten Jahr arbeiten. Wir hoffen, die Genehmigung in den nächsten drei Monaten zu bekommen. Bei den Feierlichkeiten haben im Laufe des Tages tausende Menschen der Veranstaltung beigewohnt, so dass wir die Intention und Ideologie unseres Vereins vermitteln konnten. Auch hatten wir die Möglichkeit, zwei der populärsten bengalischen Musiker (F A Sumon https://www.youtube.com/watch?v=MD6UMxL6aRE ) live zu erleben, der ohne Gage in der tiefsten Provinz aufgetreten ist. Danke nochmals an ihn!

Im Dorf begegnet man nach wie vor den Problemen der Armut, des Bildungsnotstandes, keiner ausreichenden medizinischen Versorgung etc. Nur einige Beispiele: der Junge mit den blauen Lippen (s. Fotos im beigefügten Link) hat eine angeborene Herzerkrankung, aber ohne Geld kommt die Familie mit dem Jungen nicht zu den Spezialisten in Dhaka. Dieses Jahr geht es ihm deutlich schlechter als noch im letzten Jahr, somit habe ich den Chefarzt der Herz-Thoraxchirurgie in Dhaka getroffen, diesen Fall erörtert und einen Termin für den Jungen zur Diagnostik vereinbart. Falls operatives Vorgehen möglich ist, werde ich versuchen, die Operations- und Nachsorgekosten durch eine Spendenaktion in Deutschland aufzubringen. Ein anderes Beispiel ist die Geschichte des 15-jährigen Jungen, der schwer auf dem Land arbeitet um für sich und seine beiden jüngeren Brüdern den Lebensunterhalt zu sichern. Beide Eltern sind gestorben als er 10 Jahre alt war, seitdem arbeitet er für das Überleben der Familie. Keine Schule, keine Hoffnung, nur absolute Trauer und Leid in seinen Augen. Wir als Familie unterstützen ihn, damit wenigstens seine Brüder die Schule besuchen können.

Eine weitere wichtige Aufgabe der Schule ist auch, dass die Aufklärung der zukünftigen Generation vorangetrieben wird. Wie auf einigen der Fotos zu sehen ist, werden Präservative als Luftballons genutzt, statt sie zu ihrem eigentlichen Zweck zu verwenden. Die Folge sind u.a. Familien mit 9 Kindern, wie auf dem Bild: der Vater ist verstorben, sieben der Kinder sind Töchter, was schon als großes Problem für die Familien angesehen wird (sie arbeiten nicht, Mitgift muss gezahlt werden). Dies führt dazu, dass die jüngsten Töchter an reiche Familien als Haushaltsmädchen „verschenkt“ werden. Als Alleinerziehende nach dem Tod ihres Mannes ist die Mutter nicht in der Lage, ihre Kinder zu ernähren bzw. ihnen ein Dach über dem Kopf zu bieten. Ein Unterstützer hat speziell für diese Familie eine Hütte aus Wellblech und Bambus bauen lassen.

Es gibt immer wieder auch sehr schöne Momente in den Dörfern. Die Bengalen sind sehr herzliche und freundliche Menschen – mit ihren eigenen Schamanen. Die Menschen, die das Notwendige zum Leben haben, wirken sehr zufrieden und glücklich.

Auf der Rückreise hatte ich einen Zwischenstopp in Dubai. Dort war ich eingeladen bei dem „grünen Scheich“ Sheikh Abdul Aziz bin Ali al Nuaimi https://www.greensheikh.ae/ , der unter anderem auch Schulprojekte weltweit organisiert und finanziert. Durch seine Hilfe und seinen Zuspruch werden wir den Kontakt zu „Dubai Cares“ erhalten, ein wirklich großer Hilfsfonds der Vereinigten Arabischen Emirate, damit wir unser Projekt, unter anderem durch den Anbau der Berufsschule, weiter wachsen lassen können.

Wenn Ihr mitmachen wollt, bitte meldet Euch als Mitglied an. Auf der Homepage sind die Unterlagen.

Oder wollt Ihr, dass unser Projekt weitergeht – dann spendet und macht unser Projekt auch weiterhin bekannt.

Tomake dhanyabade – vielen Dank für Euer/Ihr tolles Engagement bis jetzt.

Euer/Ihr Dr. Murat Y. Çil